Grolsch Bluesfestival Schöppingen 2009 - Der Sonntag

Nach einem ausgiebigen Frühstück bei herrlichem Sonnenschein im "Wallfahrtsort" Eggernrode bei Schöppingen und ebensolcher Laune war die Vorfreude auf den 2. Tag des Bluesfestivals riesig.

Alle BluesRoader/innen standen noch so unter den Eindrücken des vortägigen Events, das unsere kühnsten Erwartungen bei Weitem übertroffen hatte.

Pünktlich waren wir dann auch auf dem Festivalgelände und wo es gestern aufgehört hatte ging es nahtlos weiter.

Khalif "Wailin" Walter hatte den Part des Openers heute übernommen und bei den ersten Tönen schon hatte man das "Feeling" wieder.

Khalif, ein Neffe von Carl Weathersby, hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt, in Chicago studiert und stand mit fast allen Grössen des Blues schon on Stage.

Ich kannte ihn nur von seiner 2002 erschienen CD "Crazy At Night" die mir ausgesprochen gut gefallen hatte, und erlebte ihn jetzt zum ersten Mal live.

Und wieder war es "Sahne" was wir zu hören kriegten. Diese Mischung aus Chicago und etwas New Orleans war genau das Richtige um die Besucher wieder dahin zu bringen, wo sie gestern schon mal waren:

Beste Stimmung - Sauguter Blues - Begeisterung bis über die Ohren !

Als Mr. Walter dann sogar von der Bühne stieg und seine Klasse Performance mitten auf der Festivalwiese, umringt von immer mehr aus sich rausgehenden "Happy Peoples", fortsetzte, hatte er die "Katze im Sack" :-)

Der Mann beherrscht sowohl die slowbluesigen "leisen Töne", weiss aber auch wo die "Lucy" beim Bluesrock abgeht und legte da mittags um 15 Uhr einen Act hin der sich gewaschen hatte.

Grosses Kompliment Mr. Walter !!!

 

Dazu ist Khalif "Wailin" Walker" ein richtig freundliches Menschenkind der keinerlei Berührungsängste hat und eine Sympathie ausstrahlt die man förmlich spürt.

Den muss man einfach gern haben !!!!

Während seiner Europatourneen wohnt er in Deutschland und fühlte sich auch hier in Schöppingen sichtlich wohl.

Nach seinem Auftritt mischte er sich unters "Volk" und geizte auch nicht mit Beifall bei den Auftritten seiner noch folgenden Kollegen/innen.

Feiner Zug von ihm, wie ich meine, zumal er riesigen Spass dabei hatte.

Tja, Leute, und was dann kam war die eigentliche Überraschung für mich auf diesem Bluesfest !

Ich dachte noch, warum läuft Henrik Freischlader und die ganz 5Live Crew noch auf dem Gelände rum ? Die waren doch gestern schon dran. Und dann bauen die Jungs erneut ihr Equipment auf und betreten mit einer jungen, farbenprächtig tätowierten Dame im "Wiener Opernball Outfit" die Bühne und hauen da einen Opener raus, dass einem die Augen Wasser geben vor Freude.

Lalya Zoe was coming !!!!!!

Auch der letzte anstehende "Pfannengyroshungrige" machte bei den ersten Tönen schnurstracks eine Kehrtwende und eilte zur Bühne als hätte man mit der "Blueshundepfeife" getrötet.

O Mann was eine Stimme, Oh Mann was eine Band, Oh Mann was eine Präsenz !!!

Sooo muss Woodstock gewesen sein als Janis auftrat.....

Das blitzte aus den Augen, das röhrte wie Brunft und diese "wahnsinnige Band" baute einen Druck auf, der jeden Wasserkessel zum explodieren gebracht hatte

Wie man ad hoc einer solchen hochkarätigen "Bluesfurie" wie Layla Zoe, die alles gab, eine solche phantastische, dampfende und homogene Bandbegleitung liefern kann, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

Das war KLASSE was ihr da abgeliefert habt ihr 5 Recken von 5Live !!

Und das was Layla, die von der Band getrieben, da mit uns veranstaltete war "Bluesdoping" pur, das man noch in einem Jahr nachweisen könnte.

Da haut dir diese Kanadierin eine Version von "Hoochie Coochie Woman" um die Ohren, dass dir die "Blueswummzellen" platzen wie Sprengkapseln.

Und dieser Mike Neher an den Drums hämmert dabei den Blues in dich rein wie mit dem Vorschlaghammer !!! HERRLICH !!!!!

"Mo" Fuhrhop untermauerte die "Layla Zoe Show" mit seinem Klangteppich furios als hätte er nie was anderes gemacht als dieser grossartigen Künstlerin als Sidemen zu imme rneuen "Höhen" zu verhelfen.

Moritz war übrigens einer der meistbeschäftigsten Musiker an diesem Wochenende und half bei verschiedenen Bands als exzellenter "Orgelmann" aus.

Diese Layla Zoe faszinierte.

Sie strahlt mit ihrer Stimme und ihrer Persönlichkeit schon jetzt eine Bühnenpräsenz und Energie aus, die sich die ganz Grossen der Zunft erst jahrelang erarbeiten mussten.

Da spürt man den Willen, die Kraft und das Können !

Was sie da in Schöppingen mit der wahrscheinlich besten Backing Band die sie jemals begleiteten, abgeliefert haben, geht in meine Blues Annalen ein Miss Zoe !!

Und nochmal:

Dieses "Hoochie Coochie Woman" war das "Stärkste" was ich bisher hörte von dem Song und wahrscheinlich werde ich dieses Erlebnis auch nie wieder haben.

Ich verbeuge und bedanke mich dafür !!!

Die Beiden hatten allen Grund zum Strahlen :-)

Alles besten hingekriegt !

Ihr habt nen Bluesorden verdient :-)

Künstler die auch mal die Zeit hatten ihren Kollegen zu lauschen und ihnen zu applaudieren. Fand ich toll !

Die Organisation, Catering, Betreuung etc. wurden übrigens auch von den Künstlern sehr gelobt, wie mir einige berichteten.

Auch das zeugt von der Professionalität und Aufmerksamkeit mit der das Organisationsteam um Richard Hölscher dieses Bluesfestival organisiert, vorbereitet und ausgerichtet haben.

Ich hätte ja gern was gemeckert, aber ich fand nix :-))))

Nach dem Auftritt von Layla Zoe war ich regelrecht erschöpft, musste erst zur Ruhe kommen.

So hatte ich noch gar nicht den Kopf so richtig frei für den texanischen Bluesrocker Van Wilks.

 Ich hatte Van Wilks schon des Öfteren auf seinen Konzerten erlebt und was er da in Schöppingen auf der Bühne zeigte war gewohnt straighter Bluesrock.

Überrascht hat mich dass Neal Black als Bassman der Band fungierte. Ich hatte ihn letztes Jahr mit seinen Healers als Frontman in Köln gesehen und ein tolle Konzert erlebt. Ein toller Musiker.

Van Wilks ist nicht so der "Showman" in Sachen Bluesrock, sondern konzentriert sich mehr auf sein exzellentes Gitarrenspiel und das tat er auch an diesem Nachmittag.

Vom Sessel konnte er mich nicht reissen, dazu stand ich noch zu sehr unter den Eindrücken der vorrangegangenen Acts.

 

Auf Beth Hart hatte ich mich besonders im Vorfeld gefreut.

Ich liebe ihre Stimme, gestehe aber auch dass ich mehr ihre rockigen Seiten bevorzuge.

Hier in Schöppingen glänzte sie mehr mit den stillen, bluesigen Tönen und das tat sie routiniert, tonsicher und könnerhaft.

Leider ist mein Englisch nicht so sattelfest dass ich ihre Lyrics voll verstanden hätte. Sicher ein Nachteil, weil wie ich mir erzählen liess auch ihre Texte massgeblich die Qualität ihrer Songs ausmachen.

Eine Menge Leute waren begeistert von Beth Hart und ihrem Auftritt. Ich fand es "nett", aus den Schuhen hat es mich nicht gehauen.

Aber das ist Geschmacksache und soll es auch bleiben.

Der Höhepunkt des Festivals stand uns noch bevor:

Michael "Ironman" Burks

Unser Hörer Stan, der mit Michael befreundet ist hatte in den höchsten Tönen geschwärmt und wir waren gespannt wie die "Flitzebögen".

Michael Burks sei gesundheitlich etwas angeschlagen, teilte mir Stan kurz vorm Auftritt mit.. Ich befürchtete schon, dass das Auswirkungen haben würde.

Doch dann nimmt die Band Platz und mit den ersten 3 Tönen fing der Sternenhimmel etwas mehr an zu leuchten :-))))))))))))

Da war er wieder der Blues ! In seiner allerschönsten Form !!

Heiland !!!  Was macht der wenn er gesund ist?

Und an den Drums sitzt einer, der dem "Bartel" zeigen könnte nicht wo er den Most sondern den "Blues" holt.

Chuck "Popcorn" Louden

Der Junge muss mit "Bluesgroovemilch" gesäugt worden sein, denn wie der bestens aufgelegte, wie ein Honigkuchenpferd grinsende, Genialdrummer seine Felle zum schwingen trommelt hat Weltklasseformat !

Ich liebe diesen Typen vom ersten Moment an und besonders den "Wumm" den er in mich reinbaggert wie eine stampfende "Blueswalze"

Der Mann "drückt" ohne Ende und bereitet seinem "Ironman" eine glühende Esse, in der dieser seine Töne schmieden kann.

Genialer Job Chuck !!!!!!!

Ich hab ihn zum ersten Mal live erlebt, aber ich schwörs euch nicht zum letzten Mal !!!

Wer eine "Paula" so "singen" lassen kann, wer so viel Gefühl auf seine Zuhörer nahtlos überträgt, dass diese "davonfliegen", das ist ein ganz Grosser !!

Und er spürt die Begeisterung die ihm entgegenschlägt, kommuniziert mit seinem Publikum, gibt dem Affen Zucker wo er ihn haben will.

Oh Mein Gott war das schön !!!

Und der Mann hat Spass bei seinem Tun.

Als er dann noch *Jazzy* Heike und *Bluessister* Marita von der BluesRoad in der ersten Reihe, mit Augenkontakt und Zwinkern, anspielt hat er 2 weitere "Fans fürs Leben" gefunden :-)

Am Bass ein mir unbekannter "Gewichtskollege", der einen super Job ablieferte und an der Hammond mit Wayne Sharp ein Könner seines Metiers, komplettierten die Band.

Michael Burks brachte es fertig nach all den Höhepunkten die wir in den 2 Tagen erlebt hatten noch einen draufzusetzen.

Seine instrumentalen Stücke überwogen, wohl der Tribut an seine angeschlagene Gesundheit, aber was wir zu hören kriegten war verdammt nahe am "Bluesparadies" dran.

Wundervoll dass es noch solche Leute gibt die die Tradition eines Albert King, Freddie King, oder Albert Collins fortführen können und dies in einer Art fertigbringen, die sie einzigartig macht

 

In richtige Spiellaune gekommen und mit frenetischem Jubel belohnt, gab Michael sein Allroundtalent auch in einem kurzen Stück an der Orgel zum Besten.

Ohne Zugabe kam der Mann aus Arkansas natürlich nicht von der Bühne.

Das war das "Sahnehäubchen" des Festivals ! Besser geht nicht !

Nach dem Auftritt hatte ich noch kurz Gelegenheit im Künstlerzelt mit Michael ein paar worte zu wechseln und er erwies sich als sehr freundlicher, angenehmer Gesprächspartner.

Übrigens stellte er mir dabei unseren Stan als seinen "Brother" vor :-)

Der kann sich "VON" schreiben ;-)

Ahsu: Und Chuck den Drummer: Den adoptier ich !!!!!

:-)))))))))))))))))))))))))))

 

Was sollte noch kommen nach diesem "Naturereignis" ?

Nun *Stinky Lou & The Goon Mat* kamen noch und machten mit ihrer urbanen Instrumentalisierung jede Menge gut Laune zum Abschluss.

Die Jungs bersten vor Spielfreude und liessen so richtig die Katze aus dem Sack.

Nicht jedermanns Ding aber voll Leidenschaft und Einsatz setzten sie mit ihrem kraftvollen, stampfenden Blues den richtigen Schlusspunkt.

Mit Lederhandschuh wird dieses einsaitige Monsterinstrument gespielt. Keine Ahnung wie das Instrument heisst. Jedenfalls trug es wesenlich zum Sound der *Goon Mat* bei.

Nix Filigranes, sondern da gings mächtig zur Sache und lockte die letzten Reserven aus den Festivalbesucher raus.

Es wurde getanzt !

Einen Klasse Mann an der Harp hat die Truppe aus Belgien der mächtig Dampf abliess.

Zum Schluss gings auch ab mitten ins Publikum.

Partytime !

 

Fazit:

2 Tolle Tage, mit einem Festival das zum Besten gehörte was ich und ein grosser Teil der BluesRoad bisher erlebt hatte.

Perfekt organisiert,. Künstler die über sich herauswuchsen, herrliches Wetter, Super Location, Unschlagbare Eintrittspreise, friedliche zusammenfügende Stimmung !

Wer da nicht zugreift nächstes Jahr, dem ist nicht mehr zu helfen. Die BluesRoad wird da sein ! Versprochen !!!!

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