![]() Interview mit Michael Vdelli im Yard Club Köln am 13.10.2009
Michael: Das war mehr oder weniger zufällig. 1999 kann auch 2000 gewesen sein, hab ich einen Bekannten aus Perth getroffen und ihn nach Gigs in Europa gefragt. Der hat uns dann 2 Gigs in Süddeutschland (Donau-Eschingen) besorgt. Es hat allerdings ca. 15 Tourneen nach Europa gebraucht, bis es anfing, sich zu rechnen. Wir haben am Anfang immer draufgezahlt. So war es im übrigen auch vorher in Australien, da haben wir ein ziemliches Desaster mit Auftritten an der Westküste erlebt und ordentlich Geld verloren. Michael grinst und sagt: Ziel wäre es jeweils den Sommer in Australien und Europa auf ner Tour zu erleben, im Winter ist es doch recht ungemütlich.
Die Deutschen sind freundlicher und hören besser zu. Sie kommen wegen der Musik, die sie lieben. In Australien gehen die Leute aus, um Spaß zu haben, sie wollen deine Energie spüren. Wenn du in einen australischen Club gehst, wirst du von der Geräuschkulisse erstmal fast erschlagen, es ist ein wahnsinniger Geräuschpegel, aus dem vor allem die Frauenstimmen herauszuhören sind. Wie gesagt, du muss in Australien deine volle Energie einsetzen, das wird erwartet und das wollen sie sehen, es geht. Wenn ich mir ein Publikum aussuchen könnte, würde es irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Beschreibungen liegen.
Es ist schwierig da jemanden herauszunehmen. Definitiv die 3 Kings (B.B., Albert und Freddie), wobei vielleicht Freddie den größten Einfluss hatte – aber wie gesagt, kann ich nicht so genau sagen. Dann vielleicht Stevie ray Vaughn, der das Ganze zusammengefasst und modern aufbereitet hat. Meine Roots liegen mit Sicherheit im Blues. Es gibt für mich keine Grenze zwischen Blues und Rock. Slow Blues spricht mit der Gitarre. Im Bluesrock kann man es eher am Gesang festmachen, durch den Gesang kann man die Unterschiede bzw. Ursprünge hören.
Ja Troy ist leider nicht mehr Mitglied der Band. Troy ist ein guter Musiker, der aber auch sehr gerne experimentiert, kein Blueser. Seine Energie kämpfte regelmässig. So haben wir uns getrennt. Er war am Anfang sauer, aber wir haben immer noch guten Kontakt.
Wir hatten für die Aufnahme nur 10 Tage Zeit. Kevin hat uns von Anfang an klar gemacht, wie es in der Kürze der Zeit nur laufen kann: „if you do what I see, it will work“. Er wusste sehr gut mit dem Equipment umzugehen, was einiges an Zeit ersparte. Wir haben die neue CD für ein jüngeres Publikum ausgelegt, es ist rockiger, weil wir festgestellt haben, dass sich unser Publikum in den letzten Jahren „verjüngt“ hat. Wir wollen ihnen den Blues bringen, sie quasi damit „überraschen“. Junge Leute wissen nicht so sehr viel über Musik. Wenn du sie fragst, welchen Musikstil sie denn bevorzugen, gucken sie dich in der Regel erstaunt an und antworten: „Ich höre Radio“.
Wenn ich beides jede Woche haben könnte, wäre ich glücklich. Ich erinnere mich gut an Fehmarn, am Anfang hatte man so ca. 10 m Sicht von der Bühne und für mich war alles normal – wie immer. Aber dann wurden auf einmal die Scheinwerfer auf’s Publikum gerichtet – ich wäre fast gestorben vor Schock. Es war ein beeindruckendes Erlebnis – aber wie gesagt, ich mag beides.
Es ist immer schwierig, so lange bis man auf der Bühne steht. Die Fahrerei und das Drumrum,sie kosten eher Energie und das macht selten Spaß. Aber noch mal zurück zu dem, was ich vorhin schon gesagt hatte, in Australien wird genau diese Energie bei jedem Gig von dir erwartet, sonst kann es sein, dass du nie mehr dort auftreten wirst. Aber wir sind damit groß geworden und ich kenne das.
Das ist eine wirklich schwierige Frage ! .. Also mir fällt spontan Stevie Wonder ein, weil ich seine Musik mag. Robben Ford wird auch immer besser und besser .. aber ... ich kann euch keinen Namen nennen. Ich muss da noch mal drüber nachdenken. ( Anm. Wir einigen uns darauf, dass er uns informiert, so ihm dazu noch etwas einfällt. )
Ich möchte in noch mehr europäischen Ländern auftreten, mehr Festivals und wir wollen versuchen im amerikanischen Markt "Vdelli" zu positionieren. Vielen Dank für das Gespräch Michael und nun freuen wir uns auf euer Konzert. Interview: Jazzy/Shen - Zurück zum Konzertbericht
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